31. October 2006, 09:41, by Silvan Mühlemann

Ich habe da nur was Kleines

AergerWer meint, Software-Entwickler sei ein entspannender Beruf wie Portier bei einer Versicherung oder Aufsichtsperson im Kunstmuseum, der irrt sich gewaltig. Bugs, unter dicken Schichten modrigem Code versteckt; Libraries, wo die Doku mit Babelfish von Russisch auf Englisch übersetzt wurde… und der CEO, welcher ein Aenderungswunsch an der App mit “Ich habe da nur was Kleines” ankündigt.


Bang. “Ich habe da nur was Kleines”. Der Puls verdoppelt sich. Halsschlagardern schwellen an. Man ist mit dem neuen Produkt fertig. Die Integrationstest sind praktisch abgeschlossen. Der Live-Termin ist übermorgen. Mit “Ich hab da nur was Kleines” kommt dann eine Aenderung, wo eine 1-zu-n-Beziehung in n-zu-n aufgesplittet werden muss. Der ganze Code muss man nach Zugriffen auf diese Tabellen absuchen. Der Code wird komplexer. Die schöne Objektstruktur gerät durcheinander. Neue Bugs werden eingeführt. Unit Tests müssen erweitert werden. Die Doku muss angepasst werden.

Grosses Missverständnis

Und der CEO sagt, “Ich hab da nur was Kleines”. Keine Ahnung hat er von der Komplexität unserer Applikation. Von der raffinierten Architektur, genau austariert die die Sunniberg-Brücke in Klosters, welche durch den Aenderungswunsch aus dem Gleichgewicht kommt. Er hat das Gefühl, Software zu entwickeln sei so einfach wie Bauklötzli stapeln.

Ich bleibe ruhig. Ich bleibe professionell. Lasse nichts von meiner Unruhe anmerken.

“Silvan, sei doch nicht blöd”, meint meine Frau am Abend, als ich Ihr die Geschichte erzähle, “du verstehst das falsch”. Mit “Ich habe da nur was Kleines” meine der Geschäftspartner eigentlich: “Es ist mir unangenehm, mit diesem Wunsch zu kommen. Ich möchte dich nicht lange aufhalten. Ich gehe davon aus, dass es für Dich mit Deinen Top-Fähigkeiten nur was Kleines ist.” Keine Unterstellung, unsere Arbeit sei simpel. Sondern Anerkennung unserer Skills.

Diese Frauen. Sehen nur immer das gute in den Menschen. Glaube ich nicht. Der CEO will uns quälen. Nichts anderes.

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1 Comment

  1. Software zu entwickeln IST Bauklötzli stapeln! Entfernt man ein Teilchen oder will am Schluss noch Eins hinzufügen, fällt die über Wochen zusammengebaute Burg innerhalb eines Moments zusammen. Nur durch sauberes OOP hat man EVENTUELL die Chance konzeptionelle Änderungen vorzunehmen, aber auch nur DANN, wenn man völlig offen entwickelt hat. Meiner Meinung nach wird offenes Entwickeln in Zukunft in den Mittelpunkt des Entwickler-Interesses stossen.

    Comment by Victor — 2. November 2006 @ 12:39

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