1. April 2007, 19:51, by Silvan Mühlemann

Heute bin ich zu nichts gekommen!

Man having too much work on his deskMan hat sich für den Arbeitstag grosse Ziele gesteckt. Doch am Abend geht man mit dem Gefühl nach Hause, man habe nichts erreicht. Drei Tricks, welche mir helfen, am Ende des Tages befriedigter ins Bett zu sinken.

"Zu nütem bin ich cho hüt", jammere ich im IT-Zvieri, "kein Schritt wyter bin ich mit ELDAS-Projekt"

"Zu nütem bin ich hüt cho", das höre ich auch meine Kollegen vom Management immer wieder sagen, "kein Schritt wyter bin ich mit em Verkaufskonzept für Sales International".

"Zu nütem bin ich hüt cho", das höre ich auch von Roger, unserem Applikationsentwickler, "kein Schritt wyter mit em Akkreditierigstool".

Den ganzen Tag hat man mit kleinen, unbedeutenden und unbefriedigenden Aufgaben verbracht. Ein Bug im Code da, eine Query für das Marketing dort. Diese Aufgaben sind zudem auch noch völlig unerwartet reingeflattert. Dabei wollte ich doch beim ELDAS-Projekt nun endlich das Migrationskonzept fertigstellen.

Am Abend gehe ich unbefriedigt nach Hause und fühle ich mich, als käme ich nicht vom Fleck.

Was kann man dagegen tun? Meine Erfahrungen:

1. Realistische Ziele setzen

Je höher ich mir am morgen das Ziel gesteckt habe, desto geringer ist die Erfüllungsquote, und desto unbefriedigter bin ich. Beim setzen der Tagesziele vergesse ich, dass ich Outlook, MSN und ein Telefon habe, wo jederzeit Aufgaben reinplatzen können. Auch bei leerem Terminkalender muss ich also zukünftig 3/4 meiner Zeit schon mal für Tagesgeschäft abschreiben müssen. Das ist halt der Preis einer Managertätigkeit. Darum heisst man auch Manager. Manager = Verwalter. 

Sich keine Ziele zu setzen wäre das einfachste. Doch dies führt zu Gelauer. Und ohne Ziel auch kein Erfolgserlebnis.

2. Sich seiner Tagesleistung bewusst werden

Oft hat man mehr erreicht, als man denkt. Ein Blick in den "Gesendete Mails"-Ordner zeigt 42 versendete E-Mail. "Stimmt, da habe ich ja noch im CRM die den Minitask erfüllt, wo man die Summe inkl. Mehrwertsteuer anzeigen muss. Und die Code-Review vom Fotografenformular habe ich durchgeführt". 42 Aufgaben wurden erledigt. Wichtige Aufgaben. Nur waren die Aufgaben so unspektakulär, dass man sich abends nicht mehr daran erinnert.

Unser tägliches Meeting, der IT-Zvieri, hat diesen Tagesrückblick als Nebeneffekt: Jeder lässt seine Aufgaben nochmals Revue passieren und berichtet darüber an diesem Meeting. Auch wenn sie noch so unbedeutend wirken.

"Nun weiss Du, was Du geleistet hast, aber mit dem Projekt ELDAS bist Du dennoch nicht weiter. Delegiere es doch. Du bist doch Chef?". Doch das Projekt ELDAS lässt sich leider nicht delegieren. Denn es betrifft Teile der Applikation, welche (momentan) nur ich kenne. Das heisst: Es ist nur schwer delegierbar.

3. Sich Zeit schaffen

Langfristig: Ich muss es schaffen, diese Mikrotasks zu vermeiden. Die Applikationsqualität steigern, damit die Bugs gar nicht auftreten. Mein Team schulen, damit weniger Aufgaben bei mir hängen bleiben. Ein Tool programmieren, damit das Marketing sich die Queries selbst machen kann.

Doch die Zeit für ELDAS drängt: Dann hilft nur die Hammermethode. Der "Home Working Day". MSN ausschalten. Der Versuchung widerstehen, alle fünf Minuten ins Outlook zu spienzeln um sich zu versichern, dass nichts schlimmes vorgefallen ist. Stefan hat sich letzte Woche sogar ein Schild "Dringendes Projekt, bitte nicht stören" aufgestellt, um am neuen Filer zu arbeiten. Man vermeidet dadurch die zermürbenden und ineffizienten Kontextswitches.

Ganz eliminieren wird sich wohl (wie bei allen ehrgeizigen Leuten) das Gefühl "zu wenig erreicht zu haben" wohl nie. Die konstante, leise Unzufriedenheit fördert die Lösungssuche. Und damit die persönliche Weiterentwicklung. Damit muss ich wohl leben lernen.

Filed under: Arbeit

2 Comments

  1. Langsam kenne ich dieses Gefühl schon gar nicht mehr ;-)

    Aber zu häufig ist es mir so ergangen. Besonders Bugs suchen ist anstrengend, zwei bis drei Codezeilen in einem bis zwei Tagen können einfach nicht befriedigend sein. Und Bugs killen kann man kaum delegieren. Schlussendlich muss man sich aber auch immer klar machen das diese Arbeit unverzichtbar ist, die Lernkurve beim Bug killen meist besonders hoh ist und man meist nur einmal nach der Lösung suchen muss.

    Noch zu den Aufmerksamkeitskiller. In der Schule haben wir gelernt dass das Aufpopen des “Neuen eMail”-Schild die eigene Arbeit für bis zu 20 Minuten aufhält. Am besten die Emails (und Blogs) nur zu festgelegten Zeiten lesen und beantworten.

    Für Co-Worker kann unter Umständen auch ein USB-Rakentenwerfer nützlich sein ;-)

    Comment by http://leo.buettiker.org/ — 2. April 2007 @ 09:01

  2. Da ich in meiner momentanen Rolle als Software Architect den Stress nur allzu gut kenne, gibt es bei mir zwei Möglichkeiten, um mir “Befriedigung” zu schaffen:
    *Tägliche Mettings am Morgen, in denen über den Fortschritt der einzelnen Code-Abschnitte, Stored Procedures etc. gesprochen wird. Damit weiß ich, dass es vorwärts geht und das Team wirklich etwas schafft.
    *Neben Outlook und Trac die Tasks einfach auf Papier schreiben. Natürlich ist das Redundanz, aber es gibt ein befriedigenderes Gefühl, wenn man einen Task genüßlich als erledigt durchstreichen kann.

    Comment by Schakko — 5. April 2007 @ 08:36

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